Unternehmen & Einblicke
„Ich musste hinter dem Produkt stehen können“

Seit fünf Jahren arbeitet Betriebsingenieur Daniel Loos bei der FWT. Ein guter Anlass, einmal nachzufragen, was die FWT in seinen Augen ausmacht – damals und heute. Ein Gespräch über Digitalisierung, die Chancen kleiner Unternehmen und darüber, was viele Menschen bei der Fernwärme unterschätzen.
Das Interview
Herr Loos, Sie begannen Ihre berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zum Systemelektroniker und sind 2020 im ersten Corona-Lockdown mit einem Master in der Tasche bei der FWT eingestiegen, als viele Unternehmen keine neuen Mitarbeitenden gesucht haben.
Was hat Sie als Spezialist mit einem Master in Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Energie- und Umweltressourcen damals an der FWT gereizt?
Daniel Loos: Für mich waren drei Dinge entscheidend. Der wichtigste Punkt: Ich wollte hinter dem Produkt stehen können. Meine Zeit investiere ich nur in eine Aufgabe, die ich mit voller Überzeugung vertreten kann. Und für mich ist Fernwärme eine gute und sinnvolle Form der Wärmeversorgung – da stehe ich voll dahinter.
Der zweite Punkt ist die Struktur der FWT als kommunales Unternehmen. Wir sind eine kommunale Gesellschaft in der Rechtsform einer GmbH. Das bedeutet: Wir arbeiten unternehmerisch und können viele Entscheidungen schneller und flexibler treffen als klassische Verwaltungsstrukturen. Gleichzeitig bleibt der Fokus klar auf die Stadt und die Region gerichtet.
Ein großer Teil der erwirtschafteten Mittel fließt wieder in den Ausbau und die Weiterentwicklung der Infrastruktur vor Ort. Dadurch können wir langfristig planen und Entscheidungen nicht nur von Quartal zu Quartal treffen, sondern mit einem Horizont von fünf oder zehn Jahren.
Für mich liegt darin eine besondere Stärke kommunaler Unternehmen: Die Wertschöpfung bleibt in der Region und kommt am Ende der Kommune und den Menschen vor Ort zugute.
Und der dritte Grund?
Gestaltungsspielraum. Die FWT ist ein vergleichsweise kleines Unternehmen mit kurzen Entscheidungswegen, zugleich aber mit einem großen Potenzial für die Region, insbesondere bei der Weiterentwicklung der Wärmeversorgung. Man kann hier Dinge wirklich mitbewegen, anders als in großen Unternehmen, in denen Aufgaben oft stärker spezialisiert sind und Prozesse deutlich länger dauern.
Vom Papierbetrieb zur digitalen Infrastruktur
Was hat Sie in den ersten Monaten überrascht?
Daniel Loos: Ehrlich gesagt zunächst die geringe Mitarbeitendenzahl. Mit zeitweise nur vier bis fünf Mitarbeitenden in der Verwaltung war das Unternehmen sehr schlank aufgestellt. Gleichzeitig habe ich sofort gesehen, welches große Potenzial darin steckt.
Mir ist außerdem aufgefallen, wie viel damals von einem kleinen Team parallel gestemmt wurde. Viele Abläufe waren noch klassisch organisiert. Gleichzeitig habe ich darin eine große Chance gesehen, Prozesse weiterzuentwickeln und die Digitalisierung stärker voranzubringen.
Diese schlanke Struktur hat auch Vorteile, oder?
Daniel Loos: Absolut. Durch die flachen Hierarchien können viele Entscheidungen schnell und flexibel getroffen werden, ohne lange Entscheidungswege.
Man übernimmt hier auch relativ früh Verantwortung. Ich musste mich zum Beispiel schnell in das Abrechnungssystem einarbeiten und mich gleichzeitig in die technischen und wirtschaftlichen Grundlagen der Fernwärmeversorgung einarbeiten. Dieses Learning by Doing hat mir ermöglicht, ganz unterschiedliche Bereiche kennenzulernen – von Abrechnung und Nachhaltigkeit über Marketing bis hin zum Vertragswesen. Das war im Nachhinein für meine persönliche Entwicklung sehr wertvoll.
Wir sind inzwischen auch mitten in der Digitalisierung. Dazu gehören digitale Stationsbücher, die stündliche Erfassung von Energiedaten und neue Kundenportale. Ziel ist es, den Papierverbrauch zu reduzieren und Daten intern wie extern stärker digital bereitzustellen, etwa durch den überwiegend digitalen Versand von Rechnungen. Das ist kein einzelnes Projekt, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.
Bei speziellen Themen arbeiten wir auch mit externen Partner*innen zusammen. Als kleines Unternehmen kann man nicht alle Spezialbereiche selbst abdecken. Dafür können wir Entscheidungen oft schneller treffen und Themen zügig voranbringen.
„Kurze Entscheidungswege ermöglichen schnelle und flexible Lösungen.“
Wachsende Anforderungen von außen
Wie stark hat sich der Arbeitsalltag in den letzten fünf Jahren verändert?
Daniel Loos: Enorm. Themen wie monatliche Verbrauchsinformationen, Emissionshandel, Nachhaltigkeitsnachweise, Berichtspflichten, IT-Sicherheit oder ISO-Zertifizierungen gab es früher in dieser Tiefe nicht. Heute gehören sie zum Tagesgeschäft.
Das erhöht den Aufwand, bringt aber auch mehr Professionalität mit sich. Wir dokumentieren Prozesse sauber, bauen Arbeitsanweisungen auf und sichern Wissen systematisch ab. Versorgungssicherheit entsteht nicht nur durch Technik, sondern auch durch Organisation.
Warum Fernwärme oft unterschätzt wird
Sie selbst sind tief im Thema – was wird aus Ihrer Sicht an Fernwärme häufig beim Blick von außen unterschätzt?
Daniel Loos: Wie wichtig sie für die Wärmeversorgung einer Region sein kann. Ein wesentliches Merkmal von Fernwärmenetzen ist die zentrale Wärmeerzeugung und die Verteilung der Wärme über das Netz. Veränderungen auf der Erzeugungsseite können dadurch mehrere angeschlossene Gebäude gleichzeitig betreffen.
Wenn die Wärmeerzeugung technisch verändert wird, wirkt sich diese Veränderung auf die über das Netz versorgten Gebäude aus. Eine Änderung auf der Erzeugungsseite kann damit viele Anschlüsse gleichzeitig betreffen. Für entsprechende Änderungen an der zentralen Wärmeerzeugung müssen die angeschlossenen Haushalte keine eigene Erzeugungsanlage errichten.
In öffentlichen Debatten wird häufig über Einzelheizungen, Wärmepumpen und Förderprogramme gesprochen. Die Rolle von Wärmenetzen bleibt dabei oft abstrakt.
Von außen wird häufig nur ein Heizwerk und ein Rohrnetz wahrgenommen. Tatsächlich steckt dahinter jedoch eine komplexe Infrastruktur. Wärmenetze bieten die Möglichkeit, unterschiedliche Wärmequellen zentral in die Wärmeversorgung einzubinden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Versorgungssicherheit. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Wärmeerzeugung werden unterschiedliche Wärmequellen und technische Lösungen betrachtet. Damit soll die Erzeugungsstruktur künftig breiter aufgestellt werden.
„Eine breiter aufgestellte Erzeugungsstruktur ist ein wichtiges Thema bei der Weiterentwicklung unserer Wärmeversorgung.“
Weiterentwicklung der Wärmeversorgung
Das führt uns direkt zum großen aktuellen Thema: der Wärmewende. Was kommt da auf Teltow zu?
Daniel Loos: Wir arbeiten daran, die Wärmeerzeugung schrittweise weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Transformationsplans werden dafür unterschiedliche Wärmequellen und technische Lösungen untersucht.
Dazu prüfen wir verschiedene Projekte, zum Beispiel Solarthermieanlagen, Flusswasserwärmepumpen und derzeit insbesondere den Bau eines saisonalen Erdwärmespeichers.
Die Energiewende ist kein Projekt mit einem festen Enddatum, sondern ein langfristiger Transformationsprozess.
Unser Ziel ist es, die Wärmeversorgung der Stadt langfristig weiterzuentwickeln und dabei unterschiedliche Wärmequellen und technische Lösungen zu berücksichtigen. Gleichzeitig müssen technische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Blick nach vorn
Wenn wir in fünf Jahren noch einmal sprechen: Woran würden Sie merken, dass sich die FWT gut entwickelt hat?
Daniel Loos: Wenn wir die geplante Weiterentwicklung unserer Wärmeerzeugung vorangebracht haben, unterschiedliche Wärmequellen einbinden können und die Versorgung zuverlässig funktioniert. Und auch daran, dass wir weiterhin Menschen gewinnen können, die diese Aufgabe mitgestalten wollen.
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